Eine Lösung kann hohe Einsparungen versprechen und gleichzeitig die Betriebsrisiken erhöhen. Eine andere kann teurer sein, aber Versorgungssicherheit, Compliance oder Resilienz deutlich verbessern.
Wertorientierte Entscheidungen sollten deshalb nicht ausschließlich erwarteten Nutzen betrachten. Auch die Unsicherheit und mögliche negative Wirkung gehören in die Bewertung.
Die bestehende Microsite verfügt bereits über FMEA und Gefährdungsbeurteilung als risikoorientierte Instrumente. Die risikoadjustierte Wertbewertung schafft die Verbindung zwischen diesen Risikoanalysen und der eigentlichen Managemententscheidung.
Risiken und Wertpotenziale in Entscheidungen integrieren
Risiko bedeutet im wertorientierten Kontext nicht nur Gefahr.
Eine Unsicherheit kann beeinflussen:
Kosten,
Verfügbarkeit,
Nutzerqualität,
Sicherheit,
Termine,
strategische Ziele.
Eine Maßnahme mit höherem Erwartungsnutzen kann deshalb insgesamt weniger attraktiv sein, wenn ihre möglichen negativen Abweichungen erheblich größer sind.
Eine einfache Risikomatrix kann zwei Dimensionen verwenden:
Wie wahrscheinlich ist das Ereignis?
Wie groß wäre die Auswirkung?
Dabei sollte die Auswirkung nicht ausschließlich monetär betrachtet werden.
Mögliche Dimensionen sind:
Personensicherheit,
Betriebsunterbrechung,
Compliance,
Kosten,
Reputation,
Umwelt.
Restrisiko nach Maßnahmen betrachten
Entscheidend ist nicht nur das ursprüngliche Risiko.
Eine geplante Lösung kann Risiken reduzieren oder neue Risiken erzeugen.
Beispiel:
Die Zentralisierung einer technischen Leistung kann Kosten reduzieren, erhöht möglicherweise aber die Abhängigkeit von einem einzigen System.
Der relevante Vergleich lautet deshalb:
Risiko vorher → Maßnahme → verbleibendes Risiko.
Wert und Risiko in einer Matrix kombinieren
Optionen können beispielsweise vier Feldern zugeordnet werden:
geringer Wert / hohes Risiko: in der Regel vermeiden.
Diese einfache Struktur unterstützt Managementdiskussionen.
Unsicherheit von Risiko unterscheiden
Nicht jede fehlende Information ist bereits ein hohes Risiko.
Manchmal ist zunächst lediglich die Datenlage schlecht.
Dann kann der sinnvollste nächste Schritt eine Untersuchung, Messung oder Pilotierung sein.
So verhindert die Methodik vorschnelle Entscheidungen.
Worst-Case-Szenarien bewusst betrachten
Bei kritischen Infrastrukturen kann ein Ereignis mit geringer Wahrscheinlichkeit trotzdem entscheidungsrelevant sein, wenn die Auswirkungen extrem sind.
Daher sollten einzelne Hochkonsequenz-Risiken separat betrachtet werden.
Risikoappetit der Organisation berücksichtigen
Unternehmen unterscheiden sich darin, welche Unsicherheiten sie akzeptieren können.
Ein Produktionsbetrieb kann bei Energieversorgung andere Anforderungen haben als ein gewöhnliches Bürogebäude.
Die Bewertung sollte deshalb zum realen Geschäftsmodell passen.
Entscheidung und Risikomaßnahme verbinden
Wird eine risikoreichere Variante gewählt, sollten die erforderlichen Schutzmaßnahmen unmittelbar Bestandteil der Entscheidung sein.
Nicht den höchsten theoretischen, sondern den robustesten Wert wählen
Risikoadjustierte Wertbewertung verändert somit die Entscheidungsfrage.
Nicht: „Welche Variante verspricht den größten Nutzen?“
sondern: „Welche Variante bietet unter Berücksichtigung möglicher negativer Entwicklungen den robustesten und für uns akzeptablen Gesamtwert?“
Damit werden Wertmanagement und Risikomanagement zu zwei Seiten derselben Managemententscheidung.