Wertorientiertes Facility Management: Gefährdungsbeurteilung
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Gefährdungsbeurteilung im wertorientierten Facility Management
Die Gefährdungsbeurteilung im wertorientierten Facility Management analysiert potenzielle Risiken für Gebäude, Anlagen und betriebliche Prozesse. Sie identifiziert Gefährdungen, bewertet mögliche Auswirkungen und unterstützt strukturierte Maßnahmen zur Risikominderung. Im Kontext eines wertorientierten Ansatzes stehen neben Sicherheitsaspekten auch Wirtschaftlichkeit, Anlagenverfügbarkeit und nachhaltiger Betrieb im Fokus. Die systematische Bewertung schafft eine fundierte Grundlage für Entscheidungen im Gebäudemanagement und unterstützt langfristige Werterhaltung der Infrastruktur.
Einleitung
Ganzheitliche Wertschöpfung im FM
Gefährdungsbeurteilungen reduzieren Risiken und sichern langfristige monetäre und qualitative Werte im Facility Management.
Ziel des wertorientierten FM ist es, langfristige und ganzheitliche Werte zu schaffen – sowohl monetär (z. B. Asset-Value, Vermeidung von Ausfallkosten) als auch qualitativ (Mitarbeitergesundheit, Nachhaltigkeit, Image). Dabei beeinflussen Sicherheits- und Gesundheitsschutz maßgeblich den „Wert“ einer Immobilie oder Anlage. Eine Gefährdungsbeurteilung stellt sicher, dass alle Risiken im Arbeitsumfeld identifiziert, minimiert und damit Wertverluste (z. B. durch Unfälle, Rufschädigung) oder Opportunitätskosten (z. B. Fehlzeiten, Qualitätsmängel) reduziert werden.
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
§5\S 5 ArbSchG verpflichtet Arbeitgeber, für alle Tätigkeiten eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Im Kontext FM umfasst dies u. a. Gebäude, technische Anlagen, Dienstleistungen, Logistik und Infrastruktur.
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
Regelt den sicheren Einsatz von Arbeitsmitteln. Wenn im Wertorientierten FM Arbeitsmittel (z. B. Maschinen, Infrastruktur, digitale Tools) neu eingeführt oder modernisiert werden, ist eine GBU erforderlich.
Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) / DGUV Vorschriften
Bei Einsatz von Reinigungs- und Wartungschemikalien, bei Fremdfirmenleistungen etc. spielt die GBU eine wesentliche Rolle für den Schutz von Mitarbeitenden.
Risikominimierung und Werterhalt
Unfälle, Ausfälle oder Sicherheitsvorfälle führen zu Kosten (Arzt- und Reha-Kosten, Produktionsstopps, Regress) und schaden dem Image. Eine GBU reduziert diese Risiken effektiv und trägt damit zum Werterhalt von Assets bei.
Nachhaltigkeit und Reputation
Ein betriebliches Umfeld, das Sicherheit und Gesundheit priorisiert, steigert Mitarbeiterzufriedenheit und Attraktivität als Arbeitgeber.
Gerade bei Green-Building-Konzepten oder Zertifizierungen (z. B. LEED, DGNB) kann Arbeitsschutz ein Qualitätsmerkmal sein.
Umbauten und Revitalisierungen
Wenn Gebäude modernisiert werden, entstehen neue Risiken (Baustellen, paralleler Publikumsverkehr). Eine GBU klärt, wie man Umbauten sicher gestaltet (Abtrennungen, Lärmschutz, Staubschutz).
Nachhaltige Energie- und Abfallkonzepte
Einführung neuer Energiesparsysteme (Wärmepumpen, Solar, BHKW) oder Abfalllogistik (Trenn- und Recyclingsysteme) kann neue technische, chemische oder ergonomische Gefahren generieren.
Intelligente Gebäude (Smart Building)
Sensorik, automatisierte Türen/Fenster, IoT-Geräte: potentielle Fehlfunktionen oder Softwarelücken könnten Betriebssicherheit beeinträchtigen.
GBU sichert, dass Mensch-System-Schnittstellen ergonomisch und sicher sind (z. B. Vermeidung von plötzlichen Türbewegungen).
DIN EN ISO 41000 (Facility Management – Managementsysteme)
Beschreibt einen strukturierten Ansatz für FM. Die Integration von Arbeitsschutz und GBU kann hier als Teil der Managementanforderungen gelten.
ISO 45001 (Arbeitsschutzmanagementsystem)
Bei einem integrierten Ansatz (Umwelt, Qualität, Arbeitsschutz, FM) lässt sich die GBU nahtlos in die betrieblichen Prozesse einbinden.
Analyse der FM-Strategie und Ziele
Welche Value-Added-Leistungen sind geplant? (z. B. Green Building, flexible Workspaces, Digitalisierungsinitiativen)
Wo entstehen potenziell neue Gefahrenquellen oder Veränderungen in bestehenden Prozessen?
Identifikation und Bewertung von Gefährdungen
Mechanisch (Umbauten), elektrisch (Smart-Building-Komponenten), chemisch (neue Reinigungsmittel), psychisch (New Work, Reorganisation), ergonomisch (Arbeitsplatzausstattung).
Mögliche parallele Tätigkeiten mit externen Partnern (Bau, Wartung, Cleaning) → Fremdfirmenmanagement.
Ableitung von Schutzmaßnahmen
Technisch: sichere Maschinen, Schutzvorrichtungen, Not-Aus, ergonomische Möblierung, Filteranlagen.
Organisatorisch: Zeitfenster für Umbau/Wartung, Permit-to-work-Verfahren, Schulungen, klare Verantwortlichkeiten, Abgrenzung sauber/schmutzig.
Personell: Unterweisungen, PSA, Feedbackkultur (Meldung von Mängeln), Einarbeitung in neue Technologien.
Verbindung von Arbeitsschutz und Wirtschaftlichkeit
GBU kann Risiken frühzeitig erkennen (z. B. teure Ausfallzeiten, Reparaturen), so dass man proaktiv investieren kann, statt später Schadenskosten zu zahlen.
Verkürzt ROI (Return on Investment) für Investitionen in sicherheitsorientierte Maßnahmen.
Stakeholder-Einbeziehung
Für Akzeptanz und Innovation: Mitarbeitende, Betriebsrat, externe Experten, potenziell Versicherer oder Behörden frühzeitig in GBU-Prozesse einbinden → abteilungsübergreifende Planung.
Digitale Tools und CAFM
Computer-Aided Facility Management (CAFM) kann GBU-relevante Daten (Wartungstermine, Störmeldungen, Schulungsstände) verwalten und so wertorientierte Entscheidungen ermöglichen.
